Unter befreundeten Geocachern gehören die Geburtstagscaches meist schon zwangsläufig mit dazu. Schließlich will man dem Geburtstagskind die Geschenke nicht nur überreichen, sondern er soll auch seinen Spaß dabei haben. Nachdem mein erster Geburtstag mit dem Hobby „Geocaching“ nun auch ins Land gezogen ist, hat sich unser Uni-Stammtisch gedacht, dass so ein Cache eine tolle Idee für mein Geburtstagsgeschenk wäre. Das Problem: Außer mir war keiner jemals Cachen oder ist selbst Geocacher! Dass es gar nicht so leicht ist einen ordentlichen Cache zu verstecken wurde ihnen dann wohl erst mittendrin bewusst ![]()
Durch Erzählungen weiß ich mittlerweile wie viel Mühe in dem Projekt „Markus’ Geburtstagsgeschenk“ steckte und wie die Ideen zu Stande gekommen sind. Dass es während des Caches aber für mich zu Problemen kommen musste, war mir irgendwie in dem Moment klar, als sie mir offenbarten was ich geschenkt bekommen würde.
Los ging es mit einer eMail, die den Link zu einem Sudoku enthielt, nach 10 Minuten war das Rätsel gelöst und ich hatte Koordinaten, diese schnell bei Google Maps gecheckt und gesehen, dass es sich um einen Schloßpark hier in der Gegend handelte. Also ins Auto geschwungen und rüber gefahren. Als ich dann jedoch vor einer Allee von Bäumen stand, schwante mir Übles, denn werde an den Sitzbänken, noch an irgendwelchen Mülleimern fand ich Hinweise. Ein kurzer Anruf bei einem der vier Verantwortlichen brachte dann die bittere Erkenntnis zu Tage: Wir wollen natürlich, dass Du Dich ein wenig körperlich betätigst! Also hieß es für mich: Rauf auf die Bäume! Dass das in einem Schloßpark nicht gerade gerne gesehen ist, ist wohl klar, nach drei erfolglosen Bäumen also wieder ein Anruf mit der Bitte mir den Baum genau zu sagen, damit ich nicht die halbe Allee rauf und runter klettere. Dort war die erste Dose dann schnell gefunden und weder ein Flur- noch ein Imageschaden ist entstanden.
Das Rätsel in der Dose hat mich dann erst ein wenig zum Narren gehalten (was unter anderem an der Ungenauigkeit der Fragestellung lag), aber letztlich war klar: Nachts und in den Isarauen sollte meine nächste Dose liegen. Also wartete ich bis es dunkel wurde und fuhr in die Nähe der entsprechenden Koordinaten, dort angekommen bemerkte ich – mitten im Dickicht stehend – meinen Fehler und wanderte zur richtigen Position. Dummerweise feierten dort Abiturienten scheinbar ihren Abschluss und so war es mir unmöglich nach einem Reflektor zu suchen ohne die gesamte Aufmerksamkeit auf mich zu ziehen, also Abbruch. Einen Tag später gab es dann ein heftiges Gewitter am Abend, sodass ich mir relativ sicher sein konnte, niemandem auf der Landzunge zu begegnen. Nach einer 15minütigen – aber ungestörten – Suche wieder ein kurzer verzweifelter Anruf und die Erkenntnis: Suche in der Richtung an der Du uns am meisten hassen wirst! OK, also auf der anderen Flussseite. Prompt leuchtete mir etwas entgegen und ich wusste, dass ich noch ein gutes Stückchen Fußmarsch vor mir haben werde. Die Koordinaten des Reflektor-Baumes kurz projiziert und dann zur nächsten Brücke, die mir eine kleine Nachtwanderung von schlappen 2km bescherte.
Am der Stelle angekommen wurde mir wieder bewusst, dass es sich bei diesen Freunden eben nicht um Cacher handelt, denn durch den Regen war das steile Flussufer so glatt, dass ich mich ein ums andere Mal schon in der (dort relativ tiefen und schnellen) Isar sah. Mit viel Vorsicht gelang es mir aber dann doch – heftig fluchend – die Dose zu heben.
Zu Hause angekommen löste ich schnell das Rätsel und gab die Koordinaten in meinen GPSr ein, der mir auf der Topo-Karte eine ca. 20km entfernte Kreisstadt als Ziel anzeigte. Also am nächsten Tag rein ins Auto und hin gefahren. Dort angekommen erst einmal eine halbe Stunde bei der Suche um das Gebäude und in der Tiefgarage verbracht bis mir klar wurde, was die andere komische Zeichenfolge bei der Antwort zu bedeuten hatten (K3R4S11)! Bei dem Gebäude handelt es sich nämlich um ein Multiplex-Kino! Also sollte ich wohl in Kino 3, Reihe 4 am Sitz 11 etwas finden. Dass mir hier ein wenig der Kragen geplatzt ist, werden wahrscheinlich alle Cacher verstehen, denn dummerweise war es Samstag Vormittag und das Kino war natürlich geschlossen. Außerdem zahle ich bestimmt keine Kinokarte um an mein Geburtstagsgeschenk zu kommen! Also „etwas“ erbost bei einem der Verantwortlichen angerufen und ihm erklärt, dass die Aktion eine ziemlich dumme Idee war. Schnell wurde klar, dass sie nicht damit gerechnet hatten, dass ich direkt drauf los fahre und mir vorab nicht genau anschaue, dass es sich eben um ein Kino handelt und mir dann die Zeichenfolge was sagen würde. Nunja, dumm gelaufen würde ich mal sagen.
Zu Hause angekommen hatte ich dann schon eine eMail mit dem Hinweis der eigentlich in dem Nano versteckt gewesen wäre und schon konnte die Suche weiter gehen. Ab diesem Zeitpunkt ging dann alles recht schnell:
- Mit dem Auto an die Uni, dort einen Spint (dessen Schlüssel ich in der ersten Dose hatte) geöffnet
- Weiter zu einer Eisdiele, bei der ich auf Nachfrage sofort als Du bist nicht zufällig der Markus, oder? begrüßt wurde und einen Umschlag mit meinem Bild darauf erhielt
- Dann in ein kleines Waldstück bei mir um die Ecke, in dem ich auch recht schnell unter einer Baumwurzel die letzte Dose fand
- Das darin befindliche Rätsel gelöst und prompt klingelte es schon an der Tür, denn die Koordinaten zeigten… direkt auf meine Wohnung
Vor der Tür stand der am Mittag von Erding aus noch ordentlich zusammengestauchte Verantwortliche mit seiner Freundin, die mir gemeinsam einen Umschlag mit dem letzten Teil meines Geschenkes überreichten.
Insgesamt gesehen war der Cache für mich eine Erfahrung! Einerseits war mir klar, dass die Jungs einige Probleme zu meistern haben werden, die ihnen gar nicht so richtig bewusst sein können, denn wenn man nicht selbst schon auf Tupperdosensuche war, dann realisiert man viele Dinge eben nicht so genau. Andererseits war zumindest die Aktion mit dem Kino in einer doch relativ weit entfernten Stadt sicherlich die dümmste aller Ideen, denn ausgerechnet diesen Cache, der nun mal nur zu gewissen Zeiten (und einem enormen Aufwand) gehoben werden kann am weitesten weg zu legen und mir damit eben eine Fahrt von über 50km auf zu erlegen – da hätte ich mit mehr Verständnis gerechnet.
Als sehr positiv nehme ich die negativen Erlebnisse als Suchender mit, denn da wir ja selbst gerade in Cache-Planung sind, war es durchaus lehrreich zu sehen, was man eben so falsch machen kann und wie frustrierend ein Cache ist bei dem sich der Owner nicht genügend Gedanken gemacht hat! Weiterhin werde ich einige der wirklich cleveren Rätsel, die mir gestellt wurden adoptieren und in meine Caches einbauen!
Abgesehen von der Kino-Station war es aber ein schönes Geburtstagsgeschenk, dessen Organisation vermutlich auch in Zukunft in unserer Stammtischrunde wohl seines Gleichen suchen wird ![]()